Miles to go – Als Frau solo unterwegs

Vor mehreren Wochen traf ich mich mit Freunden in einer Bar in Huddersfield. Und als wir so bei einem guten Glas Wein beieinandersaßen, stieß eine junge, sympathisch lächelnde Frau dazu. Monika ist eine offenherzige, sehr talentierte Singer-Songwriterin, die es genau wie mich der Liebe wegen nach Yorkshire verschlagen hat. Sie stammt aus Tschechien und ist so wie ich begeisterte Solo-Hikerin.

Als sie zu erzählen begann, lauschte ich gebannt. Auf Anhieb fühlte ich eine starke Verbindung zu dieser jungen Frau, denn auch sie hat einen der großen National Trails in England bewandert, den Coast to Coast Walk, und zwar mit einer Gitarre über der Schulter!

Ich fand diese Idee unglaublich sympathisch. Es erinnerte mich sehr daran, mit was für einem Schwergewicht an Ausrüstung auch ich unterwegs gewesen war und wie naiv ich gewesen bin. Zusätzlich zu Rucksack und Zelt eine Gitarre mitzuschleppen, um dann abends Songs zu komponieren – das beweist, wie romantisch und leichtfüßig auch Monika ihre Reise angetreten ist.

Schnell stellte sich heraus, dass sich unsere Wege tatsächlich noch an mehreren anderen Stellen kreuzten. Nicht nur dass der Coast to Coast Walk und der Pennine Way sich genau in der Mitte treffen, sondern auch die vielen Erfahrungen, die wir unterwegs gemeinsam gesammelt haben, verbinden uns auf eine zauberhafte Weise.

Vieles, was Monika von den Hürden und der Schönheit des Alleinwanderns berichtet, ist mir so vertraut. Als ich ihr erzähle, dass ich den Pennine Way ebenfalls ganz alleine gewandert bin, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, worauf ich mich da eingelassen habe, leuchten ihre Augen und es fühlt sich an, als würden wir uns ineinander spiegeln.

Ein paar Tage später leuchtet eine Nachricht auf meinem Handy-Display auf. Es ist Monika, die mich fragt, ob ich Lust habe, im Northern Quarter, einer trendigen Szenebar in Huddersfield, mit ihr gemeinsam einen Abend zum Thema „Frauen allein unterwegs“ zu organisieren, wobei wir beide von unseren Erfahrungen berichten und auch etwas von unserer kreativen Seite präsentieren würden. Monika würde einen Song vortragen, den sie auf ihrer Wanderung geschrieben hatte und ich würde zum ersten Mal ein kleines selbstverfasstes Prosastück in englischer Sprache vorlesen.

Ich war total begeistert von der Idee und sofort machten wir uns ans Werk. Wir trafen uns in einer Weinbar und ließen unseren Ideen für Stunden ihren Lauf. Vier Mal verpasste Monika ihren Zug. Zuerst entwarfen wir das Poster und den Inhalt der Show und dann machten wir uns an die Detailarbeit. Dabei vergaß ich total, dass ich noch nie wirklich auf einer Bühne stand, schon gar nicht mit einem Zelt im Hintergrund, und ich verdrängte ebenso, dass ich an schlimmen Lampenfieber litt, das mich in den Tagen vor dem Auftritt fast um den Verstand brachte.

Aber diese wundervolle Vorstellung, über den Pennine Way sprechen zu können und vielleicht andere Menschen, insbesondere Frauen, dazu zu ermutigen, sich auf Wanderschaft zu begeben, war so überragend, dass das letztlich alles keine Rolle mehr spielte. Was zählte, war die grandiose Mission, die dahintersteckte.

Die Bühne im Hiking-Outfit kurz vor unserem Auftritt. ©Monika Zlamalova

Gestern dann war es soweit. Der Abend wurde zu einem unvergesslichen Ereignis, das noch lange in meiner Erinnerung nachwirken wird.

Unser  Moderator des Abends Mike führt mit Witz und Charme durch den Talk.

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Endlich kann ich pausenlos über den Pennine Way sprechen :).

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Monika und ich stellen uns den kniffligen Fragen von Mike und dem Publikum.

Und es zeigt wieder einmal, wie viel man gewinnt, wenn man etwas Neues wagt, das zwar beängstigend ist und die Nerven mächtig anspannt, im Endeffekt aber unfassbar bereichernd sein kann.

Besonders berührt war ich von unserem Publikum. Eine junge Dame fragte am Ende, wer denn nun alles dazu inspiriert worden sei, allein auf Wanderschaft zu gehen und unglaublich viele Hände schnellten in die Luft. Ich wurde von Menschen umarmt, die ich teilweise zuvor noch nie getroffen hatte. Sogar ein paar Männern standen Tränen in den Augen.

Für mich war das größte Kompliment dieses Abends, dass wir es geschafft haben, Menschen zu etwas zu bewegen, wovor sie vielleicht zuvor zurückgeschreckt sind. Das ist ein so überwältigendes und kraftvolles Geschenk.

Zum Glück hat es mein lieber Mann noch gerade rechtzeitig geschafft, um dieses tolle Video aufzunehmen, das sehr schön die magische Aura dieses Abends zeigt:

 

Leider hat die Kamera nicht den gesamten Abend aufnehmen können, aber es wird bald eine Audioaufnahme geben. Und hier könnt ihr euch bereits jetzt den wundervollen Song von Monika anhören:

 

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Noch mehr England-Lektüre gefällig? Dann lege ich dir mein Buch ans Herz: „Kopflos auf dem Pennine Way – Eine Berlinerin in der englischen Wildnis“. Als E-Book, Hardcover oder Taschenbuch hier erhältlich:

„Kopflos auf dem Pennine Way – Eine Berlinerin in der englischen Wildnis“

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