“Always look on the bright side of life” – Dem englischen Humor auf der Spur

Es ist wohl eines der beliebtesten Klischees, die den Engländern anhaftet, ihr ausgeprägter Sinn für Humor. Eine Eigenschaft, auf die das Inselvölkchen selbst auch recht stolz ist. Doch was hat es damit auf sich? Sind die Engländer tatsächlich witziger als andere Nationen? Gibt es überhaupt einen speziell englischen Humor und was sind dessen Zutaten?

Um Verwirrungen vorzubeugen, muss zunächst erst einmal eine klare Trennlinie gezogen werden. Wenn in diesem Artikel von Humor die Rede ist, dann meine ich damit nicht Comedy. Die Rede ist nicht von Mr. Bean, Monthy Python, Peter Kay oder sonstigen Ulknudeln. Während Comedy eine Form der Unterhaltung ist, bei dem mit humoristischen Mitteln eine bestimmte Reaktion des Publikums provoziert werden soll, die zumeist im lauten Loslachen besteht, ist der Humor, um den es hierbei gehen soll, eine Art der sozialen Interaktion. In diesem Fall eine spezifisch englische Umgangsform.

Auch wenn die Engländer ihren Sinn für Humor sehr hochhalten, so kann nicht behauptet werden, sie hätten ihn auch erfunden, geschweige denn es bestünde eine spezifisch englische Form des Humors, die nur dieser Bevölkerungsgruppe zueigen wäre. Denn auch die Engländer bedienen sich nur der Mittel, die weltweit Anwendung finden.  Ironie, Sarkasmus, Spott, Albernheit usw. finden sich in vielen Kulturen. Der entscheidende Unterschied ist jedoch der Stellenwert des Humors in der englischen Gesellschaft, denn der ist tatsächlich weitaus höher bemessen als in anderen Gesellschaften. Doch warum ist das so?

Wenn man sich vor Augen führt, wie stark die englische Gesellschaft bis heute von einem alles durchdringenden Konventionalimus im Hinblick auf Etikette, Klassenbewusstsein, sozialer Verhaltenskodex, geprägt ist, wird es verständlich, wie schwierig es für den Engländer sein muss, sich unbefangen in eine Unterhaltung zu begeben. Der Humor bietet eine Möglichkeit, nicht nur das Eis zu brechen, die Peinlichkeit der Begegnung von Fremden aufzulösen, sondern auch eine direkte Konfrontation zu vermeiden bzw. friedliche Absichten zu kommunizieren. Dabei geht es nicht darum, den anderen zum Losprusten zu bringen oder sich gar über sein Gegenüber lustig zu machen, sondern die Ernsthaftigkeit einer Situation zu entspannen, indem der Engländer über sich selbst witzelt, sich selbst runterputzt, um zu signalisieren: „Hey, ich bin keine Gefahr für dich, weil ich im Grunde ein vollkommener Trottel bin.“ Der Humor ist ein soziales Schmiermittel, eine Art weiße Fahne, ein Friedenssignal.

Diese Art der Kommunikation ist für Nicht-Engländer oftmals schwer zu verstehen, denn es fehlen oft eindeutige Indikatoren, die deutlich machen, dass das soeben Gesagte nicht ganz ernst gemeint war. Der Engländer verzieht für gewöhnlich keine Miene oder lacht gar über seine eigenen Witze. Es ist nicht einfach, den Code zu knacken, aber sicher ist, dass der englische Humor stets zwischen den Zeilen lauert und man immer gewappnet sein muss.

Selbst nach tragischen Ereignissen scheint Humor ganz und gar nicht fehl am Platz, da er offensichtlich eine spannungslösende Funktion erfüllt, die in anderen Ländern jedoch durchaus als respektlos gewertet werden könnte. Nach den Bombenanschlägen in London 2005 hatten Amerikaner den sympathisierenden Slogan „Today I am a Londoner and today I hurt“ verbreitet. Doch emotionale Gefühlsausbrüche im öffentlichen Raum gehören nun mal nicht zu den Stärken der englischen Mentalität. Pathos und Ernsthaftigkeit sind keine englischen Tugenden, sondern werden mit gekräusten Nasen gemieden und entsprechend vernichtend gekontert. Die Antwort einiger Londoner fiel daher entsprechend so aus: „Today I am a Londoner and today I got a day off.“

Ich finde es sehr bemerkenswert, dass gerade der Humor in diesem Land eine solche sozial wichtige Rolle übernommen hat und ich kann viel davon lernen. Nicht nur, dass ich mit der Zeit weitaus schlagfertiger geworden bin, zudem auch etwas skeptischer (zum Beispiel google ich grundsätzlich nochmal alles, was mir mein witziger Schwiegerpapa so erzählt), sondern auch, dass ich mich selbst nicht allzu ernst nehme und herzhaft über mich lachen kann.  Eine Fähigkeit, die durchaus sehr heilsame Wirkungen mit sich bringt.

Welche Erfahrungen hast du mit dem englischen Humor gemacht? Sind dir weitere Besonderheiten aufgefallen? Was denkst du über diese typisch englische Eigenheit?

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4 Gedanken zu ““Always look on the bright side of life” – Dem englischen Humor auf der Spur

  1. Es istTeil des „British Doublespeak“, also dieser wunderbaren, frustierenden Eigenheit der Briten nicht geradeheraus zu sagen, was sie denken.
    Woher soll auch ein armer Deutscher wissen, dass „I might join you later“ eigentlich „Ich werde niemals eiben Fuß in diesen Pub setzen“ bedeutet?
    Genauso wenig kann ich direkt heraus sagen, dass ich „diese Aktion unmöglich“ fand aber ich kann es leicht(!) ironisch andeuten.
    Nach zehn Jahren in England beginne ich langsam diesen Tanz zu navigieren.

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    • Oh je das ist natürlich sehr ärgerlich. Ich hoffe, du hattest dennoch einen netten Abend im Pub :(. Viele Engländer erwarten einfach, dass man zwischen den Zeilen liest. Ich finde das nicht nur ziemlich unpraktisch und irgendwie auch sehr selbstbezogen, sondern ganz einfach respektlos, vor allem, wenn man als Außenstehender davon nichts ahnt. Zumal ist doch der Graben zwischen den Gesprächspartnern hinterher viel größer, als hätte man einfach geradeheraus gesagt, dass man nicht kommt. Ich würde dennoch meinem Ärger immer auf direkte Weise Luft machen und handhabe das auch weiterhin so. Das Universum dreht sich ja nunmal nicht um England herum. Den Humor mag ich gern, aber es stimmt, mit der verzwickten Indirektheit habe ich auch so meine Schwierigkeiten. Nach zehn Jahren hast du ja sicherlich schon jede Menge Erfahrungen. Da kommt wohl noch einiges auf mich zu. Ich wünsche dir alles Gute und lass den Engländern bloß nicht alles durchgehen ;).

      Viele liebe Grüße
      Steffi

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  2. Das sind kluge Beobachtungen, Steffi! 🙂
    Tatsächlich haben wir auch schon einige Male Engländer „verblüfft“, weil sie erkannt haben, dass auch DEUTSCHE mal Humor haben können! Gerade die Eigenschaft des Selbstironisierens ist eine typisch englische und sehr sympathische Eigenschaft und sie fehlt vielen Deutschen, finde ich.
    In dem Sinne ist dein Buch auch sehr gut gelungen. Du hast es Ihnen gezeigt!!!! 🙂
    Somit möchte ich dir auch auf diesem Wege ein Kompliment für dein Buch aussprechen. Nicht nur für die Leistung, den doch echt harten Weg MIT ZELT und ALLEIN gelaufen zu sein. Sondern auch für die humorvolle Art, für die Selbstironie und für den guten Stil. ich habe es wirklich gern gelesen und werde es weiter empfehlen!

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    • Herzlichen Dank für das nette Lob! Diese Beobachtungen haben natürlich schon einige scharfe Beobachter vor mir gemacht, aber jeder macht ja so seine eigenen Erfahrungen und vieles bestätigt sich im Alltag. Ich finde von allen Klischees über uns Deutsche eigentlich das mit dem humorlos Sein am allergemeinsten, denn es ist einfach nicht wahr. Ich finde, wir haben einen ausgezeichneten Humor und ich finde es auch toll, die Engländer damit zu schockieren :). Selbstironie ist, denke ich, bei vielen auch Charaktersache. Ich finde diese Art der Selbstreflexion einfach ganz wunderbar, weil sie einen so erdet und mit sich selbst befriedet. Ich freue mich riesig über deinen lieben Worte zu meinem Buch!!! Genau das wollte ich damit erreichen, dass man Spaß hat am Lesen und vielleicht selbst drüber nachdenkt, so etwas mal in Angriff zu nehmen. Ich wollte damit zeigen, dass wir keine Helden sein müssen, sondern auch als ganz normale Mensch was leisten können und uns nicht hinter blankpolierten Profilen verstecken müssen. Herzlichen Dank und ich freue mich natürlich riesig über jede Weiterempfehlung :).

      Viele liebe Grüße
      Steffi

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