Mit dem Rucksack durch Schottland – Unterwegs auf dem West Highland Way

Nach der Eroberung des Pennine Ways im letzten Jahr hat mich das Hikingfieber eiskalt erwischt. Schwer war es, in den Wintermonaten die Füße still zu halten und fleißig am Schreibtisch auszuharren. Lange Zeit hielt mich eine Art Post-Trail-Depression umfangen (Ja, die existiert tatsächlich). Eine beinahe obsessive, melancholische Sehnsucht nach Draußen, nach Fortbewegung, nach purer Weite. Es verging keine Nacht, in der ich mich nicht zurück auf den verfluchten Pennine Way träumte, umgeben von Schafen und endlosen, einsamen Hochmoorlandschaften. Und tagsüber reichte ein Blick aus dem Fenster, hinter dem sich in der Ferne der Peak Distrikt erhebt.  Das winterliche Stubenhocken hat zumindest ein Büchlein hervorgezaubert, das vielleicht irgendwann in der Abenteuerrubrik im Buchladen zu finden sein wird. Keine allzu tragische Bilanz also.

Jetzt, wo der Frühling auch auf der Insel einkehrt und die Tage wieder länger werden, wird es Zeit, die Wanderschuhe zu entstauben. Es geht wieder raus in die Wildnis, weiter hinauf in den rauen Norden. Genauer gesagt, geht es auf in die schottischen Highlands. Mitten hinein in eine unberechenbare Region, die ich nur aus Filmen und albernen Serien kenne. Diesmal begleitet mich mein Engländer, der plötzlich auch ganz angetan ist von der Idee, einfach mal loszuziehen. Ende April geht es los, noch bevor die schottischen Gnitzen und Bremsen schlüpfen und uns den Spaß vermiesen. Sieben Tage mit Rucksack und Zelt. 154 Kilometer zu Fuß von Milngavie bei Glasgow, vorbei an Schottlands größtem Süßwassersee Loch Lomond bis nach Fort William am Fuß von Ben Nevis, Großbritanniens höchstem Berg. Im Vorfeld schaue ich mir so wenig Bilder an wie nur irgend möglich, um meine Eindrücke frisch und unbeschwert zu halten. Denn auf dem Pennine Way habe ich erfahren, dass es nichts Schlimmeres gibt, als an einen Ort zu kommen, den man vorher schon mal irgendwo gesehen hat. Anstelle, dass der Kiefer nach unten klappt und die Sprache versagt, denkt man sich nur nüchtern: „Ach ja genau, das kenne ich schon.“

Der West Highland Way ist Schottlands ältester Fernwanderweg. Die ersten Initiativen zur Schaffung eines Trails gehen zurück bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Es mangelte jedoch lange an gesetzlichen Grundlagen. Die erfolgreiche Eröffnung des Pennine Ways in England beförderte die schottischen Bemühungen. 1967 wurde mit dem schottischen Countryside Act die Einrichtung von Fernwanderwegen legitim. 1974 wurde die Schaffung des West Highland Ways schließlich amtlich genehmigt.  Doch erst am 6. Oktober 1980 wurde der Weg offiziell eröffnet. Übrigens lautet der gälische Name des Trails: Slighe na Gàidhealtachd an Iar. Bis man den richtig ausgesprochen hat, vergehen wohl auch sieben Tage. Der West Highland Way ist zudem Teil des International Appalachian Trail. Ja, auch den gibt es tatsächlich. Das scheint mir allerdings doch etwas weit hergeholt. Immerhin scheint auf diesen Wanderweg alles zurückzugehen und warum eigentlich nicht im Anschluss mit der Fähre übersetzen und ein halbes Jahr weitermarschieren?

Im Gegensatz zu England ist, bis auf wenige Ausnahmen, das Campen in freier Wildbahn in Schottland erlaubt, sodass wir uns nicht um belegte Campingplätze sorgen müssen. Ein wenig graut es mir allerdings vor den nächtlichen Temperaturen und vermutlich liegt auch noch Schnee auf den Gipfeln. Fest steht: Schottland wird uns wettertechnisch im launigen April einiges abverlangen, doch landschaftlich hoffe ich auf reiche Entlohnung. Und zu zweit ist vermutlich vieles erträglicher.

2 Gedanken zu “Mit dem Rucksack durch Schottland – Unterwegs auf dem West Highland Way

  1. Wow – da habt ihr euch aber einiges vorgenommen! Aber ich bin sicher, dass es euch gefällt – die Gegend um Loch Lomond und auch um Fort William ist wunderschön!

    Und zu zweit macht’s sicher doppelt so viel Spaß – auch, wenn das Wetter mal nicht so mitspielen sollte 😉

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