„Ich weiß grad den Preis nicht“ – Handwerk auf Englisch

Unsere Küche bekommt dieser Tage nicht nur einen Neuanstrich, sondern auch moderneres, weniger entflammbares Equipment. Der alte Gasherd, auf dem eh nur eine Platte funktionierte, soll einem
elektrisch betriebenen Induktionsherd weichen. Dieser liegt bei uns seit Wochen noch immer halb verpackt im Wohnzimmer herum, wo er mittlerweile ganz dekadent als fesche Katzenliege dient. Doch trotz aller Haustierliebe, ein Herd bleibt ein Herd und gehört in die Küche.

Nun können wir das gute Stück zwecks fehlender Lizenzen (und Kompetenzen) nicht selbst installieren und benötigen einen Fachmann im Haus. Mein Engländer arrangiert da was und dann heißt es: Donnerstag irgendwann zwischen mittlerem und späterem Morgen wird der Gasmann an der Türe klopfen. Mir war nicht bewusst, dass ein Morgen so detailliert unterteilt werden kann, aber gut, das hieße wohl zwischen zehn und zwölf.

Als gegen halb zwei immer noch niemand in Sichtweite ist, werde ich langsam unruhig. „Der wird noch Mittag essen“, versichert mir meine englische Familie, aber ich lege mir lieber schon mal die Nummer parat. Gegen zwei hält ein blauer Transporter vor der Tür. Darin ein Handwerker, der gemütlich mit einer Tüte Fish & Chips zugange ist. „Siehste, der hat noch gegessen“, zwinkert man mir zu. Der ungezwungene Verzehr des Nationalgerichts gilt scheinbar als Freibrief in diesem Land. Ich kann mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass ein kurzer Anruf nett gewesen wäre, aber ich bekomme nur ein schmunzelndes: „Ich weiß, was du meinst, aber so läuft das bei uns nicht.“ Dann will ich mal nicht den deutschen Obermuffel raushängen lassen und stimme ein in die britische Sorglosigkeit. Immerhin dauert der Job gerade einmal zehn Minuten.

„Wie viel schulde ich Ihnen denn?“, will  ich geradewegs wissen. Und dann entspinnt sich folgender Dialog:
„Was habe ich Ihnen denn am Telefon gesagt?“
„Sie haben mit meinem Freund gesprochen.“
„Und was habe ich ihm gesagt?“
„Keine Ahnung. Darüber haben wir nicht gesprochen.“
„Hm, das Problem ist, dass ich es auch nicht mehr weiß.“
“ Also Sie sollten das ja schon wissen.“
“ Das ist jetzt schwierig. Gut, dann sagen wir mal 50 Pfund. Aber das ist bestimmt viel billiger als das, was ich Ihrem Freund gesagt habe.“
Hä?!
Die Verwirrung ist perfekt. Vielleicht ist das ja so eine Art Masche, dem Kunden auf die Mitleidstour mehr abzuzocken. Vielleicht ist der arme Mann aber auch wirklich verpeilt. Wie auch immer, bei uns knausrigen Berlinern zieht die Nummer einfach nicht. 50 Pfund, mehr gibt’s nicht. Entweder gerade heraus oder es wird eben passend bezahlt.

Als ich später meine Engländer dazu befrage und mir keinen Reim darauf machen kann, warum der Schussel sich nicht Stift und Zettel neben’s Telefon legt, ist wieder nur ein Schmunzeln drin. „Ihr Deutschen mit eurer Organisiertheit.“ Scheint ja so seine Vorteile zu haben, oder nicht?

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