Eine Wohltat fürs Gemüt – Ab in den Greenhead Park

Nicht nur im Sommer attraktiv
An diesem Wochenende ziehen (überraschenderweise ;)) einige Regenwolken über Westyorkshire und hinterlassen Lust auf heiße Schokolade und eine gute Lektüre vor der heimischen Feuerstelle, wir Mädels aber wollen

einen Parkbesuch wagen. Denkbar ungünstig. Will man meinen, aber als ausgesprochene Freundin des englischen Wetters, das mit sanftem Niesel und beizeiten stürmischen Winden daherkommt, halten mich die Naturgewalten nicht auf. Ich möchte heute den Greenhead Park sehen, Huddersfields größte Parkanlage, von der ich viel Gutes gehört habe, von meinen zwei charmanten Begleiterinnen, die mich an diesem Tag mit ihrem ausgeprägten Fachwissen durchs Gelände lotsen. Natürlich ist der Park so gut wie menschenleer. Niemand tummelt sich mit Picknickdecke im feuchten Gras, nimmt auf den pitschnassen Regenbänken Platz. Nur ein paar Skater und eine Handvoll Gestalten, die den Park vielleicht nur als Abkürzung nutzen, schleichen durch das in melancholischem Dämmerschlaf vor sich hin träumende Grün.

Die soziale Ader des Thomas Denham
Und die Müdigkeit sei dem winterlich ruhenden Park mal wirklich gegönnt, denn immerhin amüsieren sich auf seinen großflächigen Wiesen und Spielflächen Besucher seit mehr als 130 Jahren! Gedankt sei dies den sozialen Bemühungen des damaligen Stadtrates Thomas Denham, der, als er hörte, dass die Stadt hier neue Immobilienprojekte verfolgte, in zähen Verhandlungen mit den Landeigentümern 15 Morgen Land pachtete und der Huddersfielder Bevölkerung zu erholsamen Zwecken zur Verfügung stellte. Ein ziemlich großzügiger Zeitgenosse mit einer gut gefüllten Börse (man weiß ja inzwischen gar nicht mehr wie man das andere Wort mit „P“ schreibt) möchte ich meinen. Dieses selbstlose Engagement erinnerte mich sofort an die Berliner Frischluftrevolte zur Weiternutzung des Tempelhofer Flughafengeländes im letzten Jahr. Jeden Sommer ließ besagter Denham also einen Orchesterstand aufbauen und Sitze ganz auf eigene Kosten aufstellen, während auf dem Rest des Geländes Nutztiere weideten.

Der Bandstand im Greenhead Park in atmosphärische Stimmung getaucht.

Der Bandstand im Greenhead Park in atmosphärische Stimmung getaucht.

Die wohltätige Ausrichtung des Parks ist auch heute noch spürbar. Unmittelbar vor dem Eingang zum Gewächshaus-Café stoßen wir auf eine Reihe mit Decken umwickelter Bäume. An einem der kuscheligen Gewächse klemmt ein Zettel. Darauf wirbt eine Art Hilfsfond-Initiative mit dem Foto einer älteren Dame und dem Slogan: “Alle 7 Minuten stirbt ein alter Mensch. Hilf mit gegen die Kälte”, oder so ähnlich heißt es da. Denham war nicht nur spendabel, er war auch geduldig, denn 15 lange Jahre dauerte es noch, bis der Park in seiner heutigen Gestalt (bis auf ein paar Änderungen) am 27. September 1884 seine Pforten öffnen konnte.

Gemeinnütziges Hilfsprojekt, bei dem Bäume in Wolldecken gehüllt wurden.

Gemeinnütziges Hilfsprojekt, bei dem Bäume in Wolldecken gehüllt wurden.

Weit mehr als „nur“ ein Park
Die Gestaltung der Anlage wurde in die Hände des Landvermessers Richard Dugdale gelegt. Der Eingangsbereich, der italienische Garten, die Fontäne oder auch der oktagonale Bandstand, der mich auf den ersten Blick an den chinesischen Garten in Berlin-Marzahn erinnert und in dem im Sommer Konzerte gegeben werden, gehen auf Dugdales Ideen zurück. Später kam das Kriegsdenkmal hinzu, das mahnend an beide Weltkriege erinnert, Bowlingwiesen, Tennisplätze, zahlreiche Spielplätze, Umkleidekabinen und zwei Cafés. Ursprünglich waren im Greenhead Park fünf kleine Seen angesiedelt, von denen nur noch zwei erhalten geblieben sind. Ein größerer Hauptsee (wobei man wohl eher Tümpel sagen dürfte), auf dem sich ziemlich gepolsterte Erpel tummeln und ein kleinerer Pool, der im Sommer als Kinder-Planschbecken dient.

Die Originale des Eingangstores und die Geländer wurden 1940 zu Kriegszwecken eingeschmolzen und 2010 auf Initiative des Heritage Lottery Funds originalgetreu repliziert. Übrigens finde ich diese gemeinnützige Verwertung des menschlichen Spieltriebs ziemlich beeindruckend, der einen Teil der staatlichen Lotterieeinkünfte zur Restaurierung des kulturellen Erbes nutzt.

Seit dem Jahr 2000 ist auf dem Parkgelände auch eine Miniatureisenbahn unterwegs, mit der man mehr hockend als sitzend quer durch den Park tuckern kann und die an einer Minibahnstation hält. An diesem Tag allerdings stehen die Räder still. Ich vermute, das dampfende Gefährt hält Winterschlaf.

Die Sonne bricht durch die Wolkendecke.

Die Sonne bricht durch die Wolkendecke.

Das Café im Gewächshaus, das 1930 eröffnet wurde, mutet auf den ersten Blick viktorianisch an und ist ganz besonders für eine Rast zu empfehlen. Hier werden unglaublich köstliche, frisch zubereitete Speisen, hausgemachte Kuchen und allerlei Getränke zu wirklich sehr günstigen Preisen serviert. Außerdem kann man sich an den Wandtafeln über die interessante Geschichte des Parks informieren und auf historischen Fotos die Spaziergängermode früherer Jahrhunderte bewundern.

Ein Ausflug zu jeder Jahreszeit in den ausladenden Greenhead Park mit seinen verschlungenen Wegen und hübsch arrangierten Beeten lohnt sich, da bin ich sicher. Ich freue mich schon auf die warme Jahreszeit, wenn man sich so richtig auf der Wiese lümmeln kann oder die zahlreichen Events besucht, wie den Caribean Carneval, die bunten Bauernmärkte, Open-Air-Konzerte oder ganz sportlich am Samstagslauf teilnimmt. Falls ihr mal in der Nähe seid, wagt einen Abstecher. Hier findet ihr die genaue Lage des Parks:

2 Gedanken zu “Eine Wohltat fürs Gemüt – Ab in den Greenhead Park

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