Die Vorweihnachtszeit im englischen Norden

England im Shoppingrausch: Black Friday
Am 28. November wird in England dieses Jahr die Weihnachtsshopping-Saison offiziell eröffnet. Shops und Stores aller Coleur locken mit Rabatten und Sonderangeboten und überschlagen sich regelrecht dabei. Das Ganze nennt sich “Black Friday”. Ursprünglich eine amerikanische Tradition, die auf den Freitag nach Thanksgiving fällt, das wiederum immer am letzten Donnerstag im November zelebriert wird. Witzigerweise scheint dieser Freitag ausserordentlich lang zu sein, denn im Radio höre ich: “Kommen Sie auch am Montag noch zum Black-Friday-Shopping. Verpassen Sie kein Angebot.” Okay, ein Freitag, der bis Montag dauert, das ist doch mal was. Da ich mit dieser kaufrauschankurbelnden Methode noch wenig vertraut bin, fahre ich natürlich an besagtem Freitag gleich morgens vollkommen unbedarft nach Huddersfield, um ein wenig Haushaltsware einzuholen und mal hier und da durch die Innenstadt zu bummeln. Als ich jedoch im Kingsgate-Shopping-Center, dem Eastgate von Huddersfield ankomme, fällt es mir wieder ein und ich verliere angesichts der Menschenmengen jede Lust am Bummeln. Gut, es ist jetzt nicht übermäßig rappelvoll, aber eben doch voller als man es an einem Freitagmorgen erwarten kann. So richtig überzeugen tun mich die Rabattaktionen auch nicht.

Eigentlich suche ich Toaster und Wasserkocher und verliere mich in einem Laden namens “House of Fraser”, der mich stark an eine Upperclass-Version unserer Galeria Kaufhof erinnert. Hier könnte ich frohen Mutes beide Geräte zusammen für schlappe 200 Pfund ergattern. Doch ich entscheide mich ziemlich spontan dagegen. Da ich in der Innenstadt nicht fündig werde, wage ich den Weg zu meinem angestammten Haushaltsladen namens „Dunelm“, eine Art „Dänischem Bettenlager“ im nahegelegenen Retailpark. Doch ich brauche ewig, bis ich endlich eine geeignete Stelle finde, um die Straße Richtung Eingang zu überqueren. Ich bin immer noch nicht geübt genug, um an Straßenübergängen den Blick nach rechts und links gekonnt zu werfen und einzuschätzen, aus welcher Richtung die Autos auf mich zurasen, also präferiere ich Übergänge mit Ampelschaltung. Ich erinnere mich, wie ich einmal ewig an einer Straße stand und mich fragte, wo die zur “Bitte drücken Sie den Knopf”-Vorrichtung zugehörige Ampel stand. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass die Ampel seitlich am Pfeiler neben mir mal ein rotes und mal ein grünes Ampelmännchen zeigte, während ich die Ampel vergeblich auf der anderen Straßenseite suchte. Die Engländer überqueren Straßen grundsätzlich bei Rot. Im Grunde drückt hier niemand irgendwelche Knöpfe. Und so bin ich meistens die Einzige, die brav stehenbleibt, bis die Ampel auf Grün schaltet. So erkennt man natürlich auf den ersten Blick, dass ich nicht von hier sein kann. Mir ist das Ganze einfach ein bisschen zu mulmig, also gehe ich lieber auf Nummer sicher.

Sabotageakt im Billigparadies

Bevor ich mich aber auf Toaster- und Wasserkocherjagd begebe, zieht es mich noch in einen anderen Laden namens “Pound Stretcher”, eine Art englischem KIK. Hier findet man alles von A bis Z in ausreichender Fülle und mangelhafter Qualität. Eine geschlagene Weile beschäftige ich mich mit den unzähligen Sorten an weihnachtlichen Knallbonbons, sogenannte Christmas-Cracker, die beim Zerplatzen kleine unnütze, aber unterhaltsame Gimmicks freisetzen. Es gibt sie in allen Größen und Farben und meist im Sechser- oder Zwölferpack. Traditionell werden sie vor dem Christmasdinner zum Platzen gebracht, um die darin versteckten Papierhüte während des Essens zu tragen. Humorig, humorig. Sie erinnern mich jedenfalls an die bunten Tischknaller, die am Silvesterabend Unmengen von Konfetti und kleinen Figürchen umherpusten. Ursprünglich im 19. Jahrhundert als Marketing-Gag von einem Londoner Süßigkeitenfabrikanten namens Tom Smith erfunden, sind sie heute integraler Bestandteil des Weihnachtsfestes in Großbritannien und den Commonwealth-Staaten. Egal, ich widerstehe der Versuchung, schnappe mir ein bisschen Weihnachtsdeko, aus der sich noch was machen lässt, und bringe meine Fundstücke zur Kasse. Dort zücke ich am ersten Schalter meine deutsche Sparkassenkarte und stecke diese in den Kartenleser. Minutenlang passiert gar nichts. Das Display friert ein und hinterlässt allgemeine Ratlosigkeit. Dann versagt auch der daran angeschlossene PC. Eine Kollegin wird hinzugerufen, die keine Kompromisse kennt und prompt alle Stecker zieht. Ein breites Grinsen auf ihrem von einem starken Oberlippenbart umrahmten Mund gibt mehrere Zahnlücken frei. Ich warte geduldig, doch das Kassensystem will sich nicht erholen. Die Dame hinter dem Schalter komplementiert mich zur nächsten Kasse. Eifrig scannt sie Artikel um Artikel neu. Dann schiebe ich erneut meine Sparkassenkarte in den Kartenleser. Crash! Kawumm! Kartenleser friert ein, PC reagiert nicht mehr. Dasselbe Spielchen noch einmal. Langsam gerate ich ins Schwitzen. Die Schlange hinter mir verlängert sich im Sekundentakt. Ich greife nach dem Bargeld in meiner Tasche, das ich gern für den Notfall behalten würde. Jetzt werde ich es leider hergeben müssen. Bevor ich die dritte Kasse lahmlege, lenke ich ein und überreiche der Dame meine Scheinchen. Doch diese muss Artikel um Artikel erneut einscannen. Der Schweiß perlt ihr von der Stirn. Nach einer guten halben Stunde ist der Spuk endlich vorbei und ich verlasse den Laden mit einer Tüte dreifach gescanntem Weihnachtsschmuck. Und ich habe mir den Namen des Kartenlesers eingeprägt: Verifox nennt sich der Unhold. Wo immer ich diesen Namen lese, krame ich besser das Bargeld aus der Tasche. Inzwischen habe ich eine Visakarte, die weniger Lust an Sabotageakten zu haben scheint wie Maestro, EC und Co.
Eine ähnliche Geschichte passiert mir dann noch einmal in einem kleinen Baumarkt. Zum Glück hat die Mama meines Freundes genügend Cash dabei, um mir aus der Patsche zu helfen. Meine englischen Eltern können sich gar nicht mehr beruhigen, so urkomisch finden sie die ganze Sache. “Probier das mal im Aldi aus, am Weihnachtstag”, schallt es mir da lachend und glucksend entgegen. Und genau das mag ich so am englischen Humor. Während wir Deutschen uns beschämt und miesepetrig abgewendet und vermutlich nie wieder den Laden betreten hätten, lacht sich der Engländer einfach kaputt.

Das Weihnachtskarten-Ritual

Hier in der heimeligen Vorweihnachtszeit in unserem kleinen englischen Häuschen, mit den wollbeschuhten Füßen nah an der hauseigenen Feuerstelle, habe ich richtig Lust, mal wieder Weihnachtskarten zu verschicken. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, überhaupt je eine dieser bunt glitzernden, mit allerlei winterlichen Figürchen verzierten Papierkunstwerke zur Post gebracht zu haben. Jetzt aber scheint der Moment gekommen und ich begebe mich auf die Suche nach besonders schönen Exemplaren für Freunde und Familie im ach so kalten Deutschland. Der Giftshop im Dorfkern bietet allerlei. Hier gibt es Karten für Großmutter, Großvater, Tochter, Sohn, Nachbarsfrau, Nachbarshund und für alle denkbaren Szenarien, die man sich eben so vorstellen kann. Die Karten sind wirklich hübsch, manche handbestickt, andere ungewöhnlich kunstvoll verziert. Doch irgendwie will mir keine der dargebotenen und maßlos teuren Meisterwerke so richtig gefallen. Also probiere ich es doch lieber im Kiosk um die Ecke und siehe da! Hier gibt es eine ebenso reiche Auswahl. Ich schnappe mir circa zehn Karten, überfordere die Kassiererin noch kurz mit meiner deutschen Kreditkarte und stapfe motiviert und in besinnlicher Stimmung nach Hause. Als ich die Karten aufklappe, ärgere ich mich etwas. Mitten auf der weißen Fläche prangen schon vorgefertigte Texte, die wenig Spielraum für persönliche Nachrichten lassen. Das ist ja wieder typisch. Alles wird auch hier, genau wie beim Weihnachtsbraten, schon vorgekaut und muss nur noch unterschrieben werden. Aber nicht mit mir. Ich schaffe mir Platz und quetsche meine Zeilen einfach drumherum. Da ich gern schreibe, nimmt das Gekritzel einfach kein Ende und hält mich bis in die Nacht hinein gefangen. Dann ist es vollbracht, Zuckerstangen beigefügt, die Umschläge zugeklebt, die Finger vom Glitter befreit. Auf zur Post.

Die hätte ich aufgrund der anderen Farbgebung, rot-weiß, statt leuchtend gelb, fast übersehen. Versteckt in einer unscheinbaren Seitengasse hat man auf einer Fläche von circa 20 Quadratmetern ein winziges “Post Office” untergebracht. Immerhin besitzt es drei Schalter und einen Verkaufsraum mit allerlei Büromaterialien. Als ich an der Reihe bin, bittet mich die Verkäuferin, jeden Umschlag einzeln auf eine kleine Waage zu legen, um das Porto zu berechnen. Allerdings ist das die einzige Waage im ganzen Post Office und so muss ich immer wieder warten, bis der Herr oder die Dame neben mir Päckchen und Briefe ebenfalls auf diese Waage gelegt haben. Die Prozedur zieht sich also etwas in die Länge. Meine zehn Briefchen verursachen immerhin eine Schlange von circa sechs weiteren Kunden hinter mir. Ich stelle mir ein riesiges Postamt im Herzen Londons zur Weihnachtszeit vor, das ebenfalls nur eine kleine Briefwaage besitzt. Es würde Jahre dauern, bis der letzte Kunde sein Kärtchen nach Hause geschickt hat. Aber auf dem Dorf hat man eben Zeit, immerhin muss ein Acht-Stunden-Tag gefüllt werden. Warum also nicht die Wartezeit mit sanften Methoden etwas strecken. Wem das nicht passt, der kann ja in die Stadt fahren. Dann reiche ich den letzten Umschlag über die Theke, zahle plötzlich ganz komplikationslos mit meiner Sparkassenkarte, die über den Kartenleser deutsch mit mir spricht, und verlasse das Postamt mit weihnachtlicher Erleichterung.

So habe ich jedenfalls meine Weihnachtskarten verschickt, postalisch an weiter entfernt Lebende. Die Engländer aber sparen sich das Porto und nutzen lieber den Weg der persönlichen Übergabe. Und so wechseln in der Vorweihnachtszeit unzählige weiße, rote oder goldene Umschläge den Besitzer. Alle gefüllt mit gereimten oder ungereimten Botschaften und Wünschen zum bevorstehenden Fest, kurz und knapp unterschrieben von Verwandten und Freunden. Die ganz Eifrigen fahren sogar mit dem Auto von Tür zu Tür über die Dörfer und hinterlassen den lieben Gruß an der Türschwelle. Aber nicht nur enge Bekannte werden mit dem Papiersegen überhäuft. Neulich werkele ich nachmittags in der Küche und höre plötzlich ein seltsames Rascheln an der Tür. Als ich mich nähere, hat gerade jemand einen weißen Umschlag durch den Briefschlitz in der Tür geschoben. Neugierig hebe ich ihn auf und erhasche schnell einen Blick durchs Fenster in den Garten. Doch außer ein paar Blättern bewegt sich nichts und niemand ist zu sehen. Eigenartig. Also öffne ich den Brief und halte, na wer hätte das gedacht, eine hübsche Weihnachtskarte in den Händen. Unterzeichnet von „Anita (Nr. 45)“. Jetzt fällt es mir ein. Unsere Nachbarin, die wir tatsächlich gerade erst kennengelernt haben, hat sich wie ein gutes Gespenst durch den Garten herangeschlichen und uns diese zauberhafte Geste übermittelt. Ich freue mich sehr, befinde mich aber zwangsläufig in einer reziproken Lage. Natürlich müssen wir, des Anstands halber auch ihr eine Karte zukommen lassen, um nicht als unhöfliche Rohlinge dazustehen. Und schon bin ich mitten drin im Sog des englischen Kartenwunders. Mein Engländer aber sieht die Sache ganz anders: „Das ist eine dumme, eitle Angelegenheit. Je mehr Karten du hast, desto populärer bist du. Darum geht es“, reibt er mir unverhohlen unter die Nase.

Nicht selten kommt es vor, dass man solche neckischen Kärtchen von derselben Person auch doppelt und dreifach im Abstand von wenigen Tagen erhält, je nachdem wie oft man sich vor Weihnachten unter die Augen kommt. Die reich illustrierten Papierchen verschwinden aber nicht in irgendwelchen Schubläden, in Erinnerungsboxen oder dienen als Kaffeeuntersetzer. Nein, der Engländer spannt gekonnt eine Schnur im Wohnzimmer und stülpt dort Kärtchen für Kärtchen drüber, sodass am Ende eine gar festliche Dekoration entsteht. Jetzt leuchtet mir auch ein, was es mit den vielen, reich bestückten Kartenläden auf sich hat, die in den Innenstädten zu finden sind. Das Geschäft mit den guten alten Weihnachtskarten boomt hier tatsächlich noch.

Unsere Weihnachtskartenkette

Unsere Weihnachtskartenkette

Auf der Suche nach Lebkuchen, Spekulatius und Co.

So sehr ich auch danach Ausschau halte, aber mein geliebtes Weihnachtsgebäck, das in deutschen Supermärkten gefühlt schon seit den letzten Sommertagen bereitliegt, lässt sich einfach nicht auftreiben. Das Einzige vertraute Teigprodukt fand ich im Aldi: ein einsamer, in blauer Silberfolie verpackter Christstollen, den ich aber leider nicht so mag. Ansonsten könnte ich mich noch bei IKEA mit schwedischen Pfefferkuchen eindecken. Das erscheint mir dann aber doch etwas zu weit hergeholt. Das englische Weihnachtsgebäck verfehlt leider meinen Geschmack etwas. Fruchtkuchen und allerlei Arrangements aus Trockenfrüchten, allen voran der beliebte Christmas Pudding, ein dunkler, mit Brandy getränkter Kuchen, der mit Nüssen, Rosinen und Ähnlichem gefüllt und warm serviert wird. Ursprünglich war dieses seltsame Gericht keine Süßspeise, sondern mehr ein salzhaltiges Kloßgericht mit deftigem Rindfleisch oder Hammel angereichert. Das hätte ich ja noch nachvollziehen können. Man kann die auch als „plum pudding“ bekannte Speise bereits fertig im Supermarkt kaufen oder eben selbst zubereiten. Mir aber will beides nicht so behagen.

Das typische Gebäck an Weihnachten sind die sogenannten „Mince Pies“. Die mit allerlei Früchten, Weinbrand und Gewürzen gefüllten Teigtaschen verwirren mich zunächst, denn obwohl das Gebäck kein Fleisch enthält, nennt sich die Füllung zumindest “mince meat”, was so viel wie Hackfleisch bedeutet. Irgendwie regt das meinen Appetit nicht wirklich an. Also beschließe ich, mir selbst zu helfen und im heimischen Ofen ein paar einfache Plätzchen zu backen. Glücklicherweise habe ich meine eigenen Ausstechförmchen mitgebracht. Mit einem idiotensicheren deutschen Rezept aus dem Internet lege ich los, verwandle die Küche in ein Schlachtfeld und schaffe es tatsächlich pünktlich zum dritten Advent zwei ganze Bleche mit “Christmas Cookies”, wie ich sie meinem Engländer zuliebe nenne, herzustellen.

Unsere heimische Weihnachtsbäckerei

Unsere heimische Weihnachtsbäckerei

Der greift dann auch beherzt zu und hätte mir nichts dir nichts alles restlos in sich hineingefuttert, wenn ich nicht ein paar der Kekschen für die Familie in Geschenkpapier verpackt beiseitegestellt hätte. Kein Wunder. England mag reich sein an Lebensmitteln, aber zu Weihnachten verhungert man hier.

Ein deutscher Weihnachtsmarkt in Manchester

Die mit dampfenden Glühweingläschen in der Hand geknipsten Weihnachtsfotos meiner Lieben daheim lassen mich sehnsüchtig werden. Um die Christkindl-Stimmung ordentlich anzuheizen, die bei dem milden Klima im englischen Norden noch nicht so richtig aufkommen will, beschließe ich, dass ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt den Zauber wecken könnte. An einem Freitag Mittag machen wir uns auf den Weg und fahren von Slaithwaite aus mit der urgemütlichen Bummelbahn nach Manchester Victoria, wo vor der Town Hall ein deutscher Weihnachtsmarkt mit Glühwein und Würstchen locken soll.

Der deutsche Weihnachtsmarkt in Manchester

Der deutsche Weihnachtsmarkt in Manchester

Weihnachtsmärkte gab es in England ursprünglich bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, als Oliver Cromwell, überzeugter Puritaner und damaliges Staatsoberhaupt des Commonwealth sämtliche christlichen Bräuche verbannte. Erst als im Jahr 1982 Ratsmitglieder aus Lincoln ihre Partnerstadt Neustadt an der Weinstraße besuchen, sind diese vom dortigen Weihnachtsmarkt und den kleinen Marktständen so begeistert, dass sie die Tradition wieder nach England bringen. Und tatsächlich erinnert der Manchester Weihnachtsmarkt stark an einen typischen Weihnachtsmarkt, wie er überall in Deutschland auch zu finden ist. Im Zentrum steht eine zweigeschossige, hölzerne Alpenhütte mit überdachtem Balkon, in der fleißig Glühwein und deutsches Bier ausgeschenkt werden. IMG-20141216-WA0000Von hier oben hat man einen guten Überblick über die vielen kleineren Marktstände, in denen Bratäpfel, Küchlein, Seifen, Gewürze und Handarbeiten, Wollmützen und Nussknacker feilgeboten werden. Mittendrin dampft es auf den Grills der Würstchenstände, die allerlei deutsche Delikatessen im Angebot haben. Doch hier hat sich der Engländer erlaubt, die Namen der Würste mitunter frei dem Dargebotenen zuzuordnen, sodass eine Krakauer auch gut eine Bratwurst sein kann. Ansonsten ist hier alles ganz wie daheim, nur die Preise sind etwa doppelt so hoch angesetzt. Auch den geliebten Grünkohl kann ich hier nicht entdecken und bekomme dank meiner Beschreibung (”Sieht ähnlich wie Seetang aus.”) nur entsetzte Gesichter zu sehen.

Ausgefallene Herrenmode

Nach zwei Gläschen ist es an der Zeit, den Magen in einer der umliegenden Bars mit etwas Deftigem zu füllen. Doch an einem Freitagabend tobt rund um den Marktplatz das Leben. Die Pubs und Bars sind überfüllt mit angeheiterten Gestalten. “Christmas Dos” nennt der Brite die vorweihachtlichen Firmenfeiern, an denen von zahllosen kleinen Grüppchen enthemmt und ungeniert Büffets und Biertheken erobert werden. Und immer wieder begegnen uns Engländer in bunten Wollpullovern mit lustigen bis bizarren Weihnachtsmotiven darauf. Neben dem Kartenrausch ist das wohl die Auffälligste der vorweihnachtlichen Rituale: Der englische Mann trägt jetzt mit Stolz und Würde seinen Bierbauch warm verpackt unter ausgefallener Strickmode. Besonders beliebt sind Pullover mit Licht- und kleineren Showeffekten. Da erwacht das Kind im Manne und erfreut sich beispielsweise an einer auf und ab lodernden Kaminflamme in Höhe seines Bauchnabels.

Trubel und Heiterkeit an den Glühweinständen

Trubel und Heiterkeit an den Glühweinständen

Die Vorweihnachtszeit im englischen Norden, so wie ich sie hier erlebe, ist also vor allem eine Zeit der Ausgelassenheit und der Umtriebigkeit. Trotz der stressigen Geschenkesuche, der ausgiebigen Festvorbereitungen ist von schlechter Laune nichts zu spüren. Für den Engländer findet sich immer noch ein humoriger Anlass zu entspannter Gemütlichkeit, die es erlaubt, bei einem anständigen Pint die Seele ordentlich baumeln zu lassen.

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